Seltene freie Tage nutze ich grundsätzlich zum Ausschlafen. Das macht sich zurzeit auch ganz gut, da sämtliche Nachbarn ausgeflogen sind. Und das Wetter ohnehin nicht strandtauglich ist. Vor allem die Familie unter mir mit den zwei Schreihälsen, die mich unheimlich gern im Treppenhaus heulend aus den schönsten Träumen reißen, ist campen gefahren. Damit mich durch die Fenster dringendes Tageslicht nicht stört, habe ich mir gestern extra so eine unsexy Schlafmaske gekauft. Gewöhnungsbedürftig, aber effektiv. Und vor allem günstiger, als für vier Schlafzimmer-Fenster Jalousien zu kaufen. Ich habe es erst nur von weitem vernommen. Und ignoriert. Bis der meinen Schlaf ignorierende Penetrant-Klingler an der Tür meine Neugier überwiegen ließ. Ich quäle mich also zu nachtschlafender Zeit aus dem Bett, schiebe die Schlafmaske hoch und frage, wer denn da unten vor der Tür stehe. Der Postbote: „Ich habe ein Paket für Nachbarn xy, der ist wohl nicht da.“ Is jetzt nicht wahr oder? Meine Freie-Tags-Laune verfliegt, als er mich dann wenig später vor meiner Tür stehend auch noch voll entgeistert anschaut, als ich ihn nicht mehr ganz so höflich frage, seit wann die Post zu so früher Stunde aktiv sei. Obs mir gut gehe, es sei schon halb eins. Halb eins an meinem freien Tag. Hallo? Ich wollte endlich mal ausschlafen. Und: Ich war erst sechs Stunden später zum Training verabredet.
6. August 2008...20:39
Wenn der Postbote zweimal klingelt
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3 Kommentare
8. August 2008 um 08:41
kann dir nachempfinden. mal 2 tage urlaub und zuhause und man bekommt am eigenen leib so mit, was da morgens so abgeht. postbote, vertreter, etc, ….
11. August 2008 um 20:46
Wenn ich Zeit habe, bedauer ich dich mal.
Bist manchmal aber auch ganz schön unfreundlich.
Was ich schon lange schreiben wollte:
Eltern und Kinderlose bewohnen zwei verschiedene Dimensionen.
Kinderlose kennen die Welt um sechs Uhr morgens am Sonntag nicht. Sie wissen nicht, wie es ist, an einem Sonnabend schon um 19.45 Uhr ins Bett zu gehen. Sie kennen nicht das Gefühl der Panik, wenn ihnen bei einem Spaziergang eine leise Stimme zuflüstert: „Ich muss groß.“ Ach, sie wissen nichts von Monstern, die nachts in Zimmern lauern und vertrieben werden müssen. Sie ahnen nicht, dass man ein krakeliges Gewirr aus Strichen und Kreisen für wunderschön halten kann. Sie kennen keine Bettdecken, die nachts eigenmächtig von kleinen Körpern rutschen. Sie kennen das beruhigende Gefühl nicht, wenn man leisen Atem spürt. Sie wissen nicht wie es ist, wenn sich bei Gefahr eine kleine Hand in die eigene schiebt. Sie sind noch nie mit feuchten Honigbrotresten gefüttert worden. Haben noch nie ein Pflaster auf eine Wunde geklebt, die keine ist. Sie wissen nicht wie es ist, wenn sich kleine Brüder küssen. Sie kennen das Gefühl nicht, ein nasses, nacktes Kind in ein Badelaken zu wickeln und es an sich zu drücken. Sie wissen nicht mehr, dass Haare waschen unsagbar widerlich ist. Sie haben vergessen, dass nichts besser schmeckt als Nudeln mit Ketchup. Sie haben noch nie ein Königreich für einen Schnuller eintauschen wollen. Sie kennen den weißen Schimmer im Gaumen nicht, der ein Zahn wird.
Sie sind ausgeschlafen – gut. Sie haben Zeit für sich – auch gut. Sie müssen nicht die Giftnotrufzentrale anrufen und fragen, ob es schädlich ist, Sonnenmilch zu trinken. Sie müssen keine verwüsteten Zimmer aufräumen. Kein Spielzeug reparieren. Keine Angst vor Autos haben. Keine Gute-Nacht-Geschichten erzählen, keine blöden Kinderlieder singen und keine Sesamstrasse gucken. Sie brauchen nicht dauernd neue Schuhe zu kaufen, weil die alten zu klein sind. Sie müssen niemals unmögliche Fragen beantworten. Sie brauchen nicht Nächte durchzuwachen, weil jemand vierzig Grad Fieber hat, der noch keinen Meter groß ist. Sie brauchen nicht zu untersuchen, bewachen, verhindern, wiegen, messen, säubern, tragen und zu schaukeln.
All das brauchen sie nicht. All das dürfen sie nicht.
11. August 2008 um 21:08
Ich bin aber ganz froh, es nicht zu dürfen
Schuhe kaufen mach ich aber trotzdem dauernd, auch wenn meine Füße nicht mehr wachsen…