Wir saßen zu fünft im Abteil. Zwei Teenie-Mädels, mein zeitunglesender Begleiter, ich und dieser, nunja, ich nenne ihn mal Hobby-DJ. Es war nicht das erste Mal an diesem Sonnabend, dass ich bedauerte, meinen MP3-Player daheim gelassen zu haben. Auf der Hintour zum Sachsen-Anhalt-Tag textete mich mein Begleiter die ganzen drei Stunden bis Merseburg zu. Das war vergleichsweise erträglich. Aber Locke, so hab ich den jungen Mann getauft, übertraf meinen Mister bei weitem. Er hielt die Klappe, doch musste unbedingt zeigen, was sein Handy kann. Auf volle Lautstärke eingestellt suchte er erst nach nem Radiosender. Minutenlanges Rauschen. Dann musste er uns, die wir alle schon genervt waren, und zumindest ich müde, vorspielen, welche Songs er auf seinem mobilen Telefo gespeichert hat. „Die mit dem roten Halstuch“ ist ja ganz okay. In der Disco. Aus gescheiten Lautsprechern, die das Lied nicht zum verzerrten Handy-Sumsum werden lassen. Direkt danach „Blinded by the night.“ Wer da geblendet war, ist klar. Auch auf höfliches Nachfragen meines Begleiters, ob er nicht etwas anderes spielen könne, kam nur „Is doch geil, Alder.“ Nee, is klar. Ein bisschen erinnerte er mich an die Ghettoblaster-Typen von früher. Aber aus diesen Teilen war der Klang zumindest erträglich. Wurden diesem Möchtegern-DJ zu seinem Walkman-Handy keine Kopfhörer verkauft?
15. Juni 2008...16:23
Wenn der Hobby-DJ sein Handy aufdreht…
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