Schlaf soll sich angeblich nicht nachholen lassen. Dennoch geht es mir heute nach zwölf Stunden ungestörter Nachtruhe wesentlich besser als noch vor 24 Stunden. Ohnehin erst am frühen Morgen ins Bett gekommen, habe ich in der Nacht zu Donnerstag nicht schlafen können. Ich habe ja nichts gegen schnarchende Zeitgenossen. Sie könnten ja nichts dafür, betonen meine Eltern immer wieder. Bei alten Menschen kann ich das ja noch irgendwie nachvollziehen. Und mit meinen Eltern habe ich ja nie in einem Zimmer geschlafen, die Gräusche waren aber auch über den Flur hinweg bis an mein empfindliches Ohr gedrungen. Aber da lag ich nun in besagter Nacht neben einem mir bis dato nicht unwichtigen Menschen, der sich auch von nicht gerade zarten Erinnerungen meiner Faust gegen seinen Rücken nicht von seinem Schnarch-Schlaf abbringen ließ. Während ich darüber sinnierte, ob er eher der Rhythmus- oder Melodie-Typ ist, den folgenden Arbeitstag schon im Stillen planen und dabei zusehen konnte, wie es langsam hell wurde, hatte sich der Geräuschpegel im Bett nicht verändert. Konstante Gräusche könnten ja auch schlaffördernd wirken. Aber nur bis zu einem bestimmten Dezibel-Pegel. Ich begann mir ob möglicher Atem-Aussetzer schon Sorgen zu machen. Dass ich unausgeschlafen nicht zu ertragen bin, weiß nun auch mein Schnarchhase.
2. Juli 2009
Unsanft geweckt
Es fing alles ganz harmlos an. Ich wurde sanft auf ihn vorbereitet. Auf den Mann, mit dem ich zusammen eine Hochzeitszeitung basteln muss. Für einen Kumpel, den ich nur vom Sport kenne und der mich spontan zur Chefredakteurin befördert. Und sein Kumpel wiederum habe das technische Knowhow. Alles klar. Er rief mich an, wir plauderten nett, einigten uns auf Recherchen, plauderten über Gott und die Welt. Er war mir sympathisch. Bis vor wenigen Stunden. Ich hatte keine Ahnung, wie spät es war. Um mich herum war es ob der Schlafmaske finstere Nacht. Mein Handy klingelte. Er glaubte tatsächlich, mich morgens um neun nicht zu wecken. Nein, dass ich Morgenmuffel bin, hatte ich ihm noch nicht erzählt. Angeblich habe er aber meinen ganzen Weblog gelesen. Dann hätte er es wissen müssen. So muss ich nun ernsthaft überlegen, kreativen und technischen Part auch räumlich zu trennen. Wobei meine Neugier wohl siegen wird. Ich will den Mann, der glaubt, mir intellektuell ebenbürtig zu sein, noch vor der Hochzeit sehen. Und ich bin ja Profi. Für die beste Hochzeitszeitung der Welt arbeite ich auch mit jungen Typen zusammne, die sich auch mal selbst überschätzen. Scheint ja ohnehin in den maskulinen Genen zu liegen…
30. Juni 2009
Joggen ohne Weg-Versperrer
Ich habe endlich die ideale Zeit zum Joggen gefunden. Mittags. Da ist es so schön ruhig am See. Die Angler haben ihre Rute längst eingepackt. Die lahmen Alten scheinen Siesta zu machen. Die Kindergarten-Auflügler versperren mir nicht mehr den Weg. Die Stadtreinigung ist fertig mit Rasen mähen. Nur ganz vereinzelt ein Radfahrer oder eine Mutter mit Kind, die Enten füttern. Ich konnte ganz in Ruhe bei 25 Grad im Schatten, aber leider nur wenig Sonne meine Runden drehen. Was zum optimalen Jogging-Erfolg noch fehlt, ist die optische Motivation. Liebe athletische, gut aussehende Männer der Stadt: Seid doch morgen Mittag am Stadtsee. Oberkörperfrei!
25. Juni 2009
Mein Koffer schrumpft
Puh, war das kompliziert. In zehn Stunden begebe ich mich in mein dreitägiges verlängertes Wellness-Wochenende an die Ostsee. Der Koffer ist gepackt. Das gleiche eigentlich großzügige Exemplar, das im November für drei Wochen Karibik-Urlaub gereicht hat, bietet nun nicht einmal mehr Platz für Klamotten, die ich an drei Tagen anzuziehen beabsichtige. So musste ich schon wieder drei Paar Schuhe draußen lassen, muss mit lediglich fünf Paaren über die Runden kommen. Ähnlich sieht es mit Hosen, Shirts & Co. aus. Aber wie soll ich auch jetzt schon wissen, was ich wann wo anziehe. Außer den Bikini am Strand. Da habe ich mich immerhin auf drei beschränken können. Aber Sport machen will ich ja auch, abends weggehen. Vielleicht ins Kino, in die Disco oder ins Theater. Da bedarf es jeweils anderer Outfits. Natürlich könnte ich einen weiteren Koffer mitnehmen, da ich ja mit dem Auto fahre und 20 Kilogramm durchaus überschreiten kann. Aber kennt ihr die Kofferraum-Größe eines Mitsubishi Colts? Und wir sind zu zweit unterwegs… Egal, zu den Wellness-Programmen brauch ich eh keine Klamotten. Und die sind das Wichtigste an den nächsten drei Tagen.
25. Juni 2009
Urlaub sieht anders aus
Irgendwie hatte ich mir meinen Urlaub anders vorgestellt. Zwei Tage lang hat mich eine fiese Erkältung außer Gefecht gesetzt. So arbeitgeberfreundlich bin ich. Während sich einige gern auf gelben Schein ein paar freie Tage gönnen, verlege ich mein Kranksein in die Urlaubszeit. Gestern Abend hat sich dann irgendein Muskel nach drei Stunden Tennis und zwei Stunden Rücken- und Bizeps-Training verhärtet. Und heute, da kein Erkältungshauch mehr spürbar ist, hindert mich der Regen daran, meine sportlichen Vorsätze in die Tat umzusetzen. Nix ist mit joggen, Rad fahren und schwimmen. Und das zur Entspannung in der Sonne liegen fällt auch flach. Morgen gehts zum Wellness-Kurzurlaub an die Ostsee. Kann ja nur besser werden…
17. Juni 2009
Ich liebe dieses Leben…
“Bitte gib mir nur ein Wort…” Wie oft habe ich dieses Lied in Gedanken in den vergangenen zehn Tagen gesungen. Immer auf dem schmalen Grat zwischen Hoffen und Bangen. Ein einziges Wort, das mein ganzes Leben auf den Kopf stellen könnte. Ein einziges Wort, auf das ich so lange warten musste. Das Bangen, es nicht zu lesen, zu hören, hat mich in Lethargie verfallen lassen. In mentale Abwesenheit. In Desorientierung beim Training. Routinierte Alltäglichkeiten wurden zum Kampf. Mir ist so richtig bewusst geworden, welche Macht Worte haben. Ein einziges kann dich mitten ins Herz treffen. Worte sind eine Waffe, eine gefährliche. Worte können aber auch beflügeln. Nur wenige aneinander gereihte Buchstaben haben mich gestern wieder zurück ins Leben geholt. Jetzt laufe ich nur noch “Ich liebe dieses Leben” singend durch selbiges.
15. Juni 2009
Happy Birthday to Binies Welt
Ich hatte es fast vergessen. Mir hat ja auch keiner gratuliert. Aber, liebe Leser, falls auch ihr es verschwitzt habt. Ihr könnt die Gratulation nachholen. Binies Welt feiert heute Geburtstag. Die erste Seite meines Internet-Tagebuches www.binie.wordpress.com wurde heute vor einem Jahr geboren. Ich habe durchgehalten. Wenn auch nicht mit täglicher Beständigkeit, so doch mit relativer Konstanz. Also her mit den Geschenken!
2. Juni 2009
Wirtschaftskrise hat mich eingeholt
Jetzt hat sie auch mich erwischt. Unerwartet. Wie ein heftiger Gewitterregen. Die Wirtschaftskrise macht sich auf meinem Konto breit. Da stehe ich heute am Automaten, gebe gewohnt routiniert den Code ein und dann das. Das gefräßige Gerät behält sie einfach ein. Meine Karte. Während ich noch eroiere, wie viele Paar Schuhe, neue Oberteile etc. ich in den vergangenen Wochen gekauft habe, sehe ich den Hinweis auf dem Desktop. Die Karte ist nicht mehr gültig. Achso. Kurzes Durchatmen. Moment mal, ich habe doch erst eine neue bekommen. Nein, nicht die Wirtschaftskrise hat mich eiskalt erwischt, sondern mein Gedächtnis. Oder vielmehr eine Lücke in selbigem. Ich habe die Bank gewechselt. Und seit gestern ist das Konto bei meiner einstigen Hausbank abgemeldet.
29. Mai 2009
Unerwartet untergetaucht
Mir wird ja gerne vorgeworfen, männerfeindlich zu sein. Aber das bin ich mitnichten. Ich kann mich immer nur wieder köstlich aufs Neue amüsieren, wie sehr sie Klischees bedienen. Wenn sie verbal nicht mehr weiterkommen, müssen sie beweisen, dass sie physisch überlegen sind. Und so durfte ich Sonntag beim Sauna-Besuch unerwartet ungewollte Bekanntschaft mit kaltem Pool-Wasser machen. Mein geliebter Mich-ohne-Vorwarnung-hinterrücks-samt-Saunahandtuch-ins-kalte-Nass-Werfer: Lass dir eines gesagt sein, ich bin vielleicht kurz untergetaucht, weil ich nicht so stark wie du, aber ich vergesse nichts. Die Rache kommt, wenn du schon längst nicht mehr damit rechnest!
22. Mai 2009
Oh Mann, was ein Mega-Motivator…
Nach fast einem Jahr stand ich heute erstmals wieder draußen auf dem roten Sand. Endlich mal wieder Tennis spielen ohne Schmerzen. Es hat funktioniert. Auch wenn das Timing noch nicht da ist. Das klappt beim Krafttraining weitaus besser. Nachdem ich bei meinen ersten drei Bankdrück-Sätzen mit 40 Kilo vom schönsten Motivator unseres Studios beobachtet wurde, schlug er mir augenscheinlich angetan vor, doch mal 10 Kilo mehr raufzulegen. Ein wenig skeptisch aber mutig stimmte ich zu, wenn er sich hinter mich stellen würde. Ich war hin- und hergerissen zwischen Nervosität ob seines Adonis-Anblicks und dem unbedingten Willen, diesem super-definierten Motivator mit Zahnpasta-Lächeln und Augen, für die er sich einen Waffenschein besorgen sollte, zu zeigen, dass ich das kann. Ich konzentrierte mich nur noch auf die Kraft in meinen Muskeln. Und schaffte tatsächlich drei Wiederholungen. Ja, drei Wiederholungen mit 50 Kilo. Hätte ich nicht schon drei Durchgänge hinter mir gehabt, wären auch fünf drin gewesen. Und mit diesem starken Beau hinter mir stehend peile ich die Montagabend auch an!